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Offener Brief an die Stadtverwaltung Worms
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Kessel,
sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Lohr,
Mehr Widerstand hätte der Stadt gut zu Gesicht gestanden.
Am Samstag, den 22.8. hatte - mal wieder - eine rechte Gruppierung, diesmal die "Initiative
Mord verjährt nicht" eine Veranstaltung nebst Demonstration in Worms angemeldet. Offizielle
Begründung: Akteneinsicht in die Heß-Akte zu fordern. Dass die Veranstaltung aber am 39.
Todestag von Rudolf Heß stattfand, ließ Kritiker*innen unterschiedlicher Couleur aufhorchen.
Eine potenzielle Gedenkveranstaltung für Heß, ein hochrangiges NSDAP Mitglied, einen
fanatischen Anhänger des Führerkultes und überzeugten Antisemiten, der in den Nürnberger
Prozessen wegen Planung eines Angriffskrieges und Verschwörung gegen den Frieden zu
lebenslanger Haft verurteilt worden war - undenkbar in der Schum Stadt Worms, das sollte man
zumindest meinen.
Die Veranstaltung wurde nicht verboten, man berief sich auf vorausgehende Urteile, in denen
entsprechende Veranstaltungen per Gerichtsentscheid erlaubt werden mussten.
So ließ man den unsäglichen Demonstrationszug vom Bahnhof in die Innenstadt laufen, an einem
Wochenende, an dem in Worms zwei große Festivals stattfanden, das Wollcraft Festival im Theater
und "Jazz and Joy" in der gesamten Innenstadt. Besucherinnen und Besucher dieser
Veranstaltungen mussten hartnäckig sein, um ihr Ziel zu erreichen, denn aufgrund der
Demonstration war am Bahnhof ein großes Polizeiaufgebot zu sehen, fand - glücklicherweise -
eine lautstarke Gegendemonstration statt, waren erhebliche Teile der Innenstadt abgesperrt und der
Busverkehr ausgesetzt.
Zum Jazzfestival waren hochrangige Musikerinnen und Musiker zu Gast, nationale wie
internationale, um ihre spannungsreiche und kreative Musik zu spielen. Musik, die im 3. Reich als
"entartet" klassifiziert und verboten worden war. Nicht wenige der Künstlerinnen und Künstler
betonten am Rande ihrer Konzerte am Wochenende die Bedeutung von Freiheit und Demokratie
und erhielten viel Beifall dafür.
Es hat eine andere Außenwirkung auf Künstlerinnen und Künstler wie auf die Gäste der Festivals,
wenn eine Stadt eine Demonstration der Rechten nicht verhindern konnte - es gar nicht erst
versucht zu haben ist fatal. Der fehlende städtische Widerstand kann leicht den Eindruck erwecken,
dass Worms ein lohnendes Ziel für rechte Veranstaltungen ist, weil die Stadt sie nicht unterbindet,
also kein Problem damit zu haben scheint, und sie damit indirekt fördert.
"Nie wieder ist jetzt!" bekräftigte Frau Lohr noch bei der Gedenkveranstaltung zum 9. November
vor der Synagoge. Ob dies bei der nächsten Anfrage von rechts ein Lippenbekenntnis bleibt oder ob
unsere kommunalen Vertreterinnen und Vertreter gemeinsam und klar Haltung gegen rechts zeigen,
und eindeutig handeln, daran wird sich die Stadt messen lassen müssen.
Mit freundlichen Grüßen,
pax christi Worms
1. September Antikriegstag
01. September 2026, 18:00 Uhr Mahnmal für die Opfer des Faschismus
Mahn- und Gedenkveranstaltung
Eröffnung: Heiner Bögler
Gedenkrede: Dr. Achim Müller
Musik: Rolf Bachmann
Lesung: "Theater im Museumshof"
Veranstalter:Bündnis gegen Naziaufmärche und der DGB Stadtverband Worms
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